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Crowdfunding als Teil der Onlinestrategie

Crowdfunding als Teil der Online-Strategie?

Posted by jhaslauer in Blog, Strategie

Das Thema Crowdfunding ist zur Zeit ja in aller Munde. Auch ein befreundeter Kollege aus der Onlinebranche, Richard Haderer, ist vor kurzem mit einer Crowdfunding-Kampagne ins Rennen gegangen.

Er selbst ist ja jemand, der immer gerne ausprobiert und Neues entdeckt. Und diese Abenteuerlust hat ihn offensichtlich dazu inspiriert, auf Schatzsuche zu gehen und einen Film darüber zu drehen (www.projekt-silva.at):

„Wir wollen, dass dieses Gefühl wieder zurück kommt. Dieses Gefühl das man hatte, wenn man als Kind einen Abenteuerfilm gesehen hat. Dieses Gefühl selbst auf Schatzsuche gehen zu wollen. Dieser magische Moment. Dieses Kribbeln im Bauch. Dieser Film ist etwas für Indiana Jones-Fans, Abenteurer, Junggebliebene, Filmbegeisterte, Menschen, die gerne unterhalten werden wollen, Schadenfrohe, Omas & Opas, Mamas & Papas, Onkel & Tanten, Brüder & Schwestern und sonst noch alle die einfach gerne ein bisschen Abenteuersprit gepaart mit guter Unterhaltung haben wollen.“

Crowdfunding-Kampagnen leben davon, dass sie erfolgreich „Buzz“, also digitale Aufmerksamkeit generieren. Die Frage ist aber auch anders herum interessant: Kann Crowdfunding Teil einer Online-Strategie sein? Was ist, wenn man Crowdfunding als Teil einer größeren Online-Strategie betrachtet?

Zwar bietet Crowdfunding auch die Möglichkeit, ganz ohne Eigenkapital und nur mit der eigenen Idee und viel Engagement durchzustarten. Das kann natürlich zahlreiche Gründe haben und ist natürlich, wenn man einfach eine Idee ausprobieren möchte, auch vollkommen in Ordnung. Geht es aber zum Beispiel um die Neu- oder Weiterentwicklung von Produkten, so ist auch denkbar, dass man Crowdfunding nicht vorwiegend zur Finanzierung einsetzt (weil diese z.B. zu einem großen Teil bereits abgesichert ist), sondern als strategisches Instrument, um mehr Aufmerksamkeit zu erhalten, eine neue Zielgruppe aufzubauen und eine stärkere Bindung an eine bestehende Community zu erhalten.

 

Vorteile von Crowdfunding für die Online-Strategie

  • Man kann innerhalb einer Peergroup das Potential eines neuen Produktes testen
  • Durch die Veröffentlichung einer Produktidee erreicht man aber auch neue Zielgruppen
  • Menschen, die sich für Crowdfunding-Kampagnen interessieren, sind in vielen Fällen „First Mover“ und Influencer, die nicht nur Interesse an neuen Trends haben, sondern durch die Beschäftigung mit innovativen Produkten oftmals auch „ein Gespür“ dafür entwickeln, was funktionieren kann und was nicht
  • Personen, die sich bei einer Crowdfunding-Kampagne beteiligen, haben ein hohes (Eigen-)Interesse daran, dass das neue Produkt auch gut funktioniert. Ideal, um Feedback zu bekommen.
  • Der öffentlich führbare Dialog bietet nicht nur Chancen auf Feedback zur Idee oder zum Produkt. Das Unternehmen kann in dem öffentlichen Dialog auch zeigen, wie es mit den Kunden interagiert.
  • Die Erfolgschancen bei der Umsetzung erhöhen sich und das Risiko wird für alle Beteiligten gesenkt.

 

Wie man vom Crowdfunding profitieren kann

Wichtig ist vor allem, eine Beziehung zu den Fans aufzubauen. Deshalb gibt es auch so ein hohes Zusammenspiel mit SocialMedia-Plattformen.

Die Musikerin Amanda Palmer hat sich 2012 nicht nur knapp 1,2 Millionen USD über die Kickstarter-Kampagne für ein neues Album finanziert, sie hat auch wunderbar gezeigt, worauf es ankommt:

  • Die Fans an dem Entstehungsprozess teilhaben lassen
  • Transparent kommunizieren
  • Eine Beziehung zu den Fans aufbauen
  • Danke sagen

Amanda Palmer setzt übrigens erneut auf Crowdfunding, diesmal allerdings auf der Plattform „Patreon“, um ihre Fancommunity noch mehr aktiv einzubinden. (Sie geht übrigens sogar noch einen Schritt weiter und stellt alles völlig frei ins Netz mit der Aufforderung, nach Belieben zu teilen oder zu verändern.)
Wenn diese Beziehung fehlt, so bleibt allerdings auch der Erfolg aus. Aus meiner Sicht war das mit einer der Gründe, warum die Sängerin Björk mit ihrer Kickstarter-Kampagne erfolglos blieb und sie eingestellt wurde.

 

Erfolg mit Crowdfunding

Hier ein paar Tipps, wie man aus einer Kampagne vieles herausholen kann:

  • Die Crowdfunding-Kampagne schon Monate vor dem Start planen: Welche Zielsetzungen gibt es? Was wird kommuniziert? Auf welchen Kanälen? Wie kann man auf welche Anfragen reagieren? Wie kann die Kampagne weiterverbreitet werden?
  • Vergleichbare Projekte recherchieren und analysieren
  • Eine starke Community schon vorab aufbauen: Via Facebook, Twitter, Instagram – Oder welcher Kanal eben optimal zu ihren Zielgruppen passt. Dazu gehört eine transparente und offene Kommunikation und das Schaffen von Vertrauen. Wie im richtigen Leben.
  • Monitoring vorbereiten und alles rund um die Kampagne analysieren. Auch hier: Wenn man erst mit Kampagnenstart sich für die Auswahl von Monitoring-Tools interessiert, ist es definitiv zu spät 😉
  • Ausprobieren: Ein Vorteil von SocialMedia ist, dass man mit wenig Ressourcen „gefahrlos“ starten kann. Ausprobieren, analysieren, noch besser machen.
  • Originell sein: Auch in der möglichen Beteiligung der Investorinnen und Investoren.

Beachtet man diese Punkte, so lässt sich selbst aus Crowdsourcing-Kampagnen, die nicht erfolgreich beendet werden, wertvolle Information für das Unternehmen und die Online-Positionierung ableiten.

 

Crowdfunding-Plattformen in Österreich

respekt.net (Investieren in die Zivilgesellschaft)
WeMakeIt (kreative Projekte aus der Kultur, von Vereinen oder Startups)
1000×1000 (Schwerpunkt Innovative Projekte/Gründungsvorhaben)
conda (Schwerpunkt Startups)
greenrocket – (Unternehmen mit den Zukunftsthemen Energie, Umwelt, Mobilität und Gesundheit
inject-power (Portal für private Forschungsförderung und Wissenschaftskommunikation in Österreich)
neurovation (Crowdsourcing Ideenplattform für Open Innovation Ideenwettbewerbe; Kreativebranche)
crowdcapital (Crowd-Investing-Plattform aus Oberösterreich)

 

Internationale Plattformen für Crowdsourcing

Kickstarter
indiegogo

Crowdfunding

ist eine Finanzierungsform, bei der sich mehrere Investoren mit unterschiedlich hohen Beträgen (teilweise ab wenigen Euro) an einer Geschäftsidee oder einem Produkt beteiligen. Meist erfolgt dies im Kreativbereich oder zur Entwicklung von innovativen Produkten. Die Investorensuche findet oftmals über Onlineplattformen statt. Crowdfunding ist auch in Österreich grundsätzlich legal – In der Regel werden neue Finanzierungsmodelle und insbesondere Crowdfunding-Plattformen von der Finanzmarktaufsicht geprüft.

03 Apr 2015 no comments

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